„Ich hab ein großes schönes Zimmer mit einem sehr bequemen Sofa. Es kostet nur 23 fr. Das ist doch nicht viel. Dazu 6 gepolsterte Stühle und 3 Schränke. Man könnte eine Versammlung darin abhalten.“
Albert Einstein in einem Brief an Mileva Maric, 4. Februar 1902
Albert Einsteins Wohnsitze in Bern – 1902-1909
Als der 23-jährige diplomierte Fachlehrer Albert Einstein nach einem 4 ½-monatigen Aufenthalt in Schaffhausen im Februar 1902 in Bern ankam, hatte die Stadt ca. 69.000 Einwohner. Der Grund für seinen Umzug war die zu erwartende Anstellung als technischer Experte dritter Klasse bei dem Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum. Seine finanziellen Verhältnisse zwangen ihn, äußerst bescheiden zu leben.
Im Folgenden werden Einsteins sieben Wohnsitze in Bern in chronologischer Reihenfolge genannt. Bis auf wenige Ereignisse wird dabei auf zusätzliche Informationen weitgehend verzichtet.

Übersicht über Einsteins Wohnsitze in Bern
| Gerechtigkeitsgasse 32 | vom | 04. Februar | 1902 | bis | 31. Mai | 1902 |
| Thunstrasse 43a | vom | 01. Juni | 1902 | bis | 14. August | 1902 |
| Archivstrasse 8 | vom | 15. August | 1902 | bis | 09. Januar | 1903 |
| Tillierstrasse 18 | vom | 10. Januar | 1903 | bis | 28. Oktober | 1903 |
| Kramgasse 49 | vom | 29. Oktober | 1903 | bis | 15. Mai | 1905 |
| Besenscheuerweg 28 heute Tscharnerstrasse 28 | vom | 16. Mai | 1905 | bis | 27. April | 1906 |
| Aegertenstrasse 53 | vom | 28. April | 1906 | bis | 20. Oktober | 1909 |
Anmerkung zur Übersicht über Einsteins Wohnsitze:
Zum Teil ist es heute, nach über 100 Jahren, nicht mehr möglich, die genauen Daten des jeweiligen Einzugstermins und Auszugstermins aus den Wohnungen anzugeben. Auch sind die Angaben in der einschlägigen Einstein-Literatur an diesen Stellen unvollständig bzw. widersprüchlich. Geringfügige Abweichungen der in der Tabelle genannten Daten sind daher möglich. Die in den folgenden Texten genannten Anmeldungen bei dem Wohnsitzregister der Stadt Bern sind korrekt!
Gerechtigkeitsgasse 32
Albert Einstein, fast mittellos, fand nach langem Suchen in der Berner Altstadt in der Gerechtigkeitsgasse 32, im ersten Stock des Hauses von Anna Sievers ein bescheidenes Zimmer (Junggesellenbude). Dort wohnte er vom 4. Februar bis zum 31. Mai 1902. Am 11. Februar 1902 meldete sich Einstein bei dem Wohnsitzregister der Polizei an.

Gerechtigkeitsgasse 38 – 32 (1903)

In einem Brief an Mileva Maric vom 4. Februar 1902 beschrieb er seine Zimmer, ergänzt durch einen von ihm handgezeichneten Plan.

Auf Max Talmud, einen Freund und Mentor aus Münchner Tagen, der ihn besuchte, machte das Zimmer den Eindruck eines „kleinen, armselig möblierten Zimmers“. Einstein musste seinen Lebensunterhalt bestreiten. Um die Zeit bis zu seiner Anstellung im Berner Patentamt zu überbrücken, inserierte er am 5. Februar 1902 im Anzeiger für die Stadt Bern:

Am 8. Februar schrieb Einstein in einem Brief an Mileva Maric: „Mit den Privatstunden geht es gar nicht schlecht. Ich habe schon zwei Herren, einen Ingenieur & einen Architekten gefunden & noch mehr in Aussicht. Denen zusammen halte ich dann so eine Art Privatkolleg & bekomm pro Mann und Stunde 2 fr. Das ist doch ganz hübsch.“
Wie es mit den „zwei Herren“ weiterging, ist nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass Einstein durch die Anzeige Maurice Solovine, einen rumänischen Philosophiestudenten, kennenlernte. Mit ihm und Conrad Habicht, einem Freund aus Schaffhausen, gründete er 1903 die „Akademie Olympia“, die uns noch bis in die Kramgasse 49 und darüber hinaus begleiten wird.
Im Januar 1902 wurde Lieserl, die uneheliche Tochter von Mileva Maric und Albert Einstein, in Novi Sad geboren.
Wissenschaftlich arbeitete Einstein mit großem Eifer an seinen physikalischen Theorien. So schickte er einen Artikel an die Annalen der Physik, einer von Max Planck herausgegebenen Fachzeitschrift.
Thunstrasse 43a
Am 7. Juni 1902, meldete Einstein rückwirkend zum Monatsanfang seine zweite Wohnung in der Thunstrasse 43a an. Die Wohnung befand sich auf der anderen Seite der Aare in dem sehr abgelegenen Außenviertel Kirchenfeld. Vermieter war die Familie Dosch.

Am 19. Juni 1902 erhielt Einstein endlich die lang ersehnte Zusage des Berner Patentamts. In dem Schreiben hieß es: „[…] In seiner Sitzung vom 16. Juni 1902 hat der Bundesrat Sie provisorisch mit einem Jahresgehalt von Frcs 3500, zum technischen Experten III. Klasse des eidg. Amtes für geistiges Eigentum gewählt.“
Damit war es auch mit Einsteins finanziellen Sorgen vorbei. Sein erster Arbeitstag im Patentamt war Montag, der 23. Juni 1902, Zimmer 86 im dritten Stock.
Archivstrasse 8
Im August 1902 wechselte Einstein erneut seinen Wohnsitz, blieb dabei aber im Außenviertel Kirchenfeld. Am 14. August 1902 meldete er sich bei den Behörden an. Seine Vermieterin war die Witwe Bertha Hausmann-Louis. In dem Haus wohnte er im Dachgeschoss und hatte eine sehr schöne Aussicht auf den Berner Hausberg (den Gurten), die Berner Alpen und die Aare. Er blieb die nächsten 5 Monate. Er fühlte sich in dem Haus sehr wohl. An seinen Freund Hans Wohlwend schrieb er: „Meine Hausfrau hat eine wunderbare Geige und Bern eine schöne Umgebung und ich einen lustigen, leichten Sinn, da meine Sorgen jetzt sehr zusammengeschrumpft sind, nur ist leider mein Vater schwer leidend geworden.“
Einsteins Vater Hermann starb am 10. Oktober 1902 in Mailand. Am 6. Januar 1903 heiratete Albert Einstein – gegen den Willen der Familien – Mileva Maric.
Die Tochter der Vermieterin berichtete: „Erzürnen konnte er meine Mutter [Bertha Hausmann-Louis] einzig damit, dass er beständig den Hausschlüssel vergaß. Zu den unmöglichsten Nachtstunden klingelte er sie aus dem Schlaf mit dem Ruf: „Hier ist Einstein – ich habe wieder mal den Schlüssel vergessen.“ So auch, als Einstein und seine Frau mit den beiden Trauzeugen spätabends von ihrer Hochzeitsfeier nach Hause kamen, und er erfolglos den Wohnungsschlüssel in seinen Taschen suchte, blieb ihm nichts anderes übrig als wieder laut zu rufen: „Hier ist Einstein – ich […]“.
Tillierstrasse 18
Bereits einige Tage nach der Hochzeit wurde wieder umgezogen. Die neue Adresse war Tillierstrasse 18 im Außenviertel Kirchenfeld. Am 10. Januar 1903 meldeten sich Einstein und seine Frau Mileva an. Der Vermieter war der Fabrikant Peter Kramer der Firma Wüthrich & Co. (eine Berner Maschinenfabrik und mechanische Werkstätte). Trotz jungem Eheglück und täglicher Arbeit am Patentamt fand er die Zeit, um weiter wissenschaftlich zu arbeiten. An seinen Freund Michele Besso schrieb Einstein im Januar 1903: „Ich bin also jetzt ein verheirateter Ehemann und führe mit meiner Frau ein sehr nettes behagliches Leben. Sie sorgt ausgezeichnet für alles, kocht gut und ist immer vergnügt. […] Letzte Woche hatte Miza [Mileva] die Influenza und jetzt hab ich sie. Ich konnte heute unmöglich ins Amt; indessen ist es schon wieder besser, sodaß ich morgen wohl wieder auf dem Posten sein werde. […] In der nächsten Zeit will ich mich mit den Molekularkräften in Gasen abgeben, und dann umfassende Studien in Elektronentheorie machen.“
Ostern 1903 gründete Einstein mit Maurice Solovine die „Akademie Olympia“. Conrad Habicht kam kurz darauf hinzu.
Im Herbst 1903 wurde Lieserl in Ungarn möglicherweise zur Adoption freigegeben.
Der Aufenthalt der Eheleute in der Tillierstrasse dauert ca. 10 Monate.
Kramgasse 49
Ab Oktober 1903 finden wir Einstein und seine Frau in der Berner Altstadt in der Kramgasse 49. Sie gehörte dem ehemaligen Gastwirt G. Mathys-Juker. Im Erdgeschoss befand sich sein Brauerei-Restaurant „Zum Unteren Juker“, bei Einsteins Ankunft umbenannt in „Brasserie zum Gurten“. Einsteins wohnten im 2. Stock mit Blick auf die „schönste“ Gasse Berns. Die Wohnung befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Zytglogge (Zeitglocke) und dem Zähringerbrunnen. Offiziell meldete er sich am 29. Oktober 1903 an. Durch die Lage der neuen Wohnung verkürzte sich Einsteins Weg zum Amt. „Der Umzug in die Kramgasse 49 sollte die physikalische Welt revolutionieren!“


Bern (2005)
Hans Albert, Einsteins und Milevas erster Sohn, wurde am 14. Mai 1904 in der Kramgasse 49 geboren. An die Eltern von Mileva schrieb Einstein am 15. Mai 1904: „Gestern Morgen kriegten wir einen gesunden Buben. Miza ist wohl und läßt Euch herzlich grüßen. […] Der Junge heißt auch Albert.“

(2005, Einstein-Haus, Bern)

(2005, Einstein-Haus, Bern)
Am 20. September 1904 erhielt Einstein eine feste Anstellung am Patentamt.
1905 war Einsteins „annus mirabilis“. Er veröffentlichte mehrere bahnbrechende Arbeiten in den Annalen der Physik, die die Grundlagen der Physik um 1900 revolutionierten. Eine der Arbeiten, Zur Elektrodynamik bewegter Körper, beinhaltete die spezielle Relativitätstheorie. In einer anderen leitete er die berühmte Formel E = mc2 her. Im April reichte Einstein seine Arbeit, Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen, als Dissertation an der Universität Zürich ein, wo sie Ende Juli akzeptiert wurde.
Wie Josef Sauter, ein Freund und Kollege am Patentamt berichtete, war Einstein sich nicht zu schade, die zum Heizen und Kochen benötigten Kohlen beim Händler mit einem Handkarren selbst abzuholen und die Säcke auf den Schultern in die Wohnung im zweiten Stock zu tragen. Dies wahrscheinlich auch aus Kostengründen.
Eine Gedenktafel am Laubenpfeiler (eine Stütze, die einen überdachten, offenen Laubengang trägt) der Kramgasse 49 wurde vermutlich Mitte bis Ende der 50er Jahre angebracht.

In der Wohnung fanden auch regelmäßig Sitzungen der „Akademie Olympia“ statt.
Einstein Haus Bern
Die Wohnung im zweiten Stock der Kramgasse 49, in der Einstein von 1903 bis 1905 gelebt hat, wurde Dank der Albert-Einstein-Gesellschaft in Bern im Stil dieser Zeit restauriert. Dies, um Einsteins entscheidende Jahre in Bern widerzuspiegeln. Wie hat Einstein gelebt und in welchem Umfeld wurden seine wichtigsten Arbeiten geschaffen? Die Wohnung ist für die Öffentlichkeit zugänglich. (2026)

Besenscheuerweg 28
Es ist nicht klar, warum Einstein und seine Familie im Mai 1905 erneut den Wohnsitz wechselten. Am 13. Mai 1905 meldete er sich bei den Behörden an. Der neue Wohnsitz im Besenscheuerweg 28 (heute Tscharnerstrasse 28) lag etwas außerhalb im Mattenhof-Viertel. Der Vermieter war der Kaufmann Camille Senné.
Am 15. Januar 1906 wurde Einstein von der Universität Zürich promoviert.
Im 1. April 1906 wurde er im Patentamt zum technischen Experten zweiter Klasse befördert.
Während seiner gesamten Berner Zeit arbeitete Einstein, auch im Besenscheuerweg, neben seiner Arbeit im Patentamt unermüdlich an wissenschaftlichen Arbeiten rund um die theoretische Physik.
Am 23. April 1906 schrieb Einstein an das Berner Gas- und Wasserwerk: „Ich ersuche Sie, bis längstens Donnerstag Abend jemanden zum Abnehmen einer Gas-Lampe zu senden. Ich ziehe Freitag aus.“
Am folgenden Freitag, den 27. April, zog die Familie Einstein aus und begab sich zu ihrem letzten Berner Wohnsitz.
Aegertenstrasse 53
Dank der Beförderung im Patentamt konnte sich Einstein eine größere Wohnung leisten. Sein neuer Wohnsitz in Bern war in der Aegertenstrasse 53 im Wohnviertel Kirchenfeld. Der Vermieter war der Dachdeckermeister Gottfried Nacht. Am 1. Juni 1906 meldete er sich bei den Behörden an. Am 27. April 1906 schrieb Einstein an seinen Freund Maurice Solovine: „Ich bin schon wieder umgezogen, diesmal wieder ins Kirchenfeld (Aegertenstr.53). Seit Sie fort sind, verkehre ich privatim mit keinem Menschen mehr. Nun haben sogar die Heimweg-Gespräche mit Besso aufgehört; von Habicht habe ich absolut nichts mehr gehört.“

1907 begann Einstein mit den ersten Überlegungen zur allgemeinen Relativitätstheorie und entdeckt das Äquivalenzprinzip von Masse und Energie für gleichförmig beschleunigte Systeme. Sein Antrag auf Habilitation wurde von der Universität Bern abgelehnt, da seine Habilitationsschrift nicht ausreichte. Durch die Vorlage einer neuen Arbeit habilitierte sich Einstein 1908 an der Universität Bern und wurde Privatdozent. Ende des Jahres hielt er seine erste Vorlesung.
Am 7. Mai 1909 erhielt Einstein einen Ruf als außerordentlicher Professor für theoretische Physik an die Universität Zürich.
Im Juli 1909 erhielt Einstein von der Universität Genf sein erstes Ehrendoktorat. Es sollten noch viele folgen.
„Bald darauf nahte der Abschied von Bern, der Einstein nicht allzu schwerfiel, obschon er in der Bundesstadt sieben glückliche und aus wissenschaftlicher Sicht sicher die entscheidenden Jahre verbrachte. Er wurde später manchmal vom Heimweh nach der beschaulichen Kramgasse gepackt und schrieb: ‚Es war doch eine schöne Zeit damals in Bern.‘“
Quelle: Adolf W. Meichle, „Albert Einsteins Berner Jahre 1902-1909“
Offiziell meldete sich Albert Einstein am 22. Oktober 1909 in Bern ab. Am 15. Oktober 1909 verließ er das Patentamt und einige Tage später Bern.
Mit seiner Familie zog er nach Zürich, um dort am 18. Oktober mit dem Beginn des Wintersemesters an der Universität seine Lehrtätigkeit als außerordentlicher Professor für theoretische Physik aufzunehmen.
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Bildernachweis:
Archiv des Autors: Abb. 1, 8, 9, 10, 12
Burgenbibliothek Bern, Signatur Gr.A.1131: Abb. 2
Burgenbibliothek Bern, Signatur FPa.4, S.5, Nr.2: Abb. 3
The Collected Papers of Albert Einstein, Volume 1: Abb. 4
Gemeinfrei: Abb. 5
Burgenbibliothek Bern, Signatur AK.1224; AK1225: Abb. 6
Burgenbibliothek Bern, Signatur FPa.23 Bl. 4: Abb. 7
Burgenbibliothek Bern, Signatur FPa.30 Bl. 61: Abb. 11
Burgenbibliothek Bern, Signatur N Walter Neeser 729 (29): Abb. 13
Literaturnachweis:
| Hrsg. John Stachel, et al. | The Collected Papers of Albert Einstein, Volume 1 | Princeton 1987 |
| Anna Beck, Translator Peter Havas, Consultant | The Collected Papers of Albert Einstein, Volume 1, English translation of selected texts | Princeton 1987 |
| Hrsg. Martin J. Klein, et al. | The Collected Papers of Albert Einstein, Volume 5 | Princeton 1993 |
| Anna Beck,Translator Don Howard, Consultant | The Collected Papers of Albert Einstein,Volume 5, English translation of selected texts | Princeton 1995 |
| Ann M. Hentschel, Gerd Graßhoff | Albert Einstein „Jene glücklichen Berner Jahre“ | Bern 2005 |
| Max Flückiger | Albert Einstein in Bern | Bern 1974 |
| Armin Hermann | Einstein – Der Weltweise und sein Jahrhundert – Eine Biographie | München 1994 |
| Adolf W. Meichle | Albert Einsteins Berner Jahre 1902-1909 | Bern 1992 |
| Albrecht Fölsing | Albert Einstein – Eine Biographie | Frankf/Main 1993 |

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